Ethereum (ETH) steht im Mittelpunkt einer Debatte, die tiefer geht als der aktuelle ETH-Kurs. Trent Van Epps, ehemaliger Mitarbeiter der Ethereum Foundation, warnt in einem Blogartikel vor einer möglichen Finanzierungslücke in der Kernentwicklung.
Van Epps arbeitete von Mai 2021 bis April 2026 bei der Foundation und befasste sich dort mit Core Development, Protocol Guild Funding und der politischen Ökonomie des Netzwerks. Seine Warnung: In den nächsten drei bis neun Monaten könnte Ethereum in eine schleichende Funding-Krise laufen.
Der Engpass entsteht laut Van Epps aus zwei Entwicklungen, die gleichzeitig auf die Finanzierung der Ethereum-Entwicklung wirken. Erstens verfolgt die Ethereum Foundation, die als Non-Profit-Organisation die Entwicklung des Netzwerks mitprägt, seit Jahren eine Strategie der sogenannten Subtraction.
Dahinter steht die Idee, Verantwortung schrittweise auf unabhängige Teams und Organisationen zu verteilen, statt zentrale Aufgaben dauerhaft bei der Foundation zu bündeln. Gleichzeitig bleibt die Organisation an vielen Stellen ein wichtiger Anker des Ökosystems, etwa durch ihre Treasury, ihre Veranstaltungen sowie ihre Rolle bei der Koordination von Forschung und Entwicklung.
Nach Angaben von Van Epps waren zeitweise rund 25 Prozent der Entwickler, die direkt am Ethereum-Protokoll arbeiteten, bei der Foundation angestellt.
Der zweite Hebel ist finanzieller Natur. Im Juni 2025 veröffentlichte die Ethereum Foundation ihre Treasury Policy. Darin legt die Organisation fest, ihre jährlichen Ausgaben schrittweise zu reduzieren. Während zunächst noch bis zu 15 Prozent der Treasury für operative Kosten vorgesehen sind, soll dieser Wert bis 2030 auf langfristig 5 Prozent sinken.
Parallel dazu ist das Client Incentive Program ausgelaufen. Das Förderprogramm wurde laut eigenen Angaben 2021 eingeführt, um unabhängige Client-Teams langfristig zu unterstützen. Pro Team waren 144 Validatoren beziehungsweise 4.608 ETH vorgesehen, deren Freigabe an bestimmte Leistungs- und Sicherheitsanforderungen geknüpft war.
Im April 2026 endete das Programm planmäßig. Ein Nachfolger ist laut Van Epps bislang nicht in Sicht.
Unabhängig von der Debatte um die Finanzierung bei Ethereum steht der Kurs mit rund 1.724 US-Dollar weiterhin unter Druck. Quelle: CoinMarketCap
Für Forschung, Client-Entwicklung und die technische Koordination des Netzwerks veranschlagt Van Epps einen jährlichen Finanzierungsbedarf von rund 30 Millionen US-Dollar. Ohne langfristig planbare Mittel könnten erfahrene Entwicklerteams verloren gehen, die über Jahre Wissen und Erfahrung rund um das Ethereum-Protokoll aufgebaut haben.
Als Beispiele nennt er künftige Herausforderungen bei der Skalierung des Netzwerks, mögliche Auswirkungen von Quantencomputing sowie die langfristige Stabilität des Mainnets.
Die Warnung von Van Epps kommt zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Rolle der Ethereum Foundation verändert. Förderprogramme laufen aus, die Ausgaben sollen langfristig sinken und ein Teil der Verantwortung wandert ins Ökosystem.
Für Ethereum wird damit ein Thema wichtiger, das lange im Hintergrund stand: die Finanzierung der Entwicklerteams. Forschung, Client-Software und technische Koordination entstehen nicht von selbst. Sie benötigen dauerhaft Zeit, Personal und Kapital.
Ob neue Fördermodelle entstehen, ist derzeit offen. Klar ist jedoch: Je unabhängiger Ethereum von der Foundation werden will, desto stärker muss das Netzwerk Wege finden, seine eigene Weiterentwicklung zu finanzieren.
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