Die Inflation in der Eurozone zog im Mai an und stieg auf Jahresbasis auf 3,2 %, nach 3,0 % im April. Die Zahl entsprach den Prognosen und wurde durch die am Mittwoch veröffentlichten Eurostat-Daten bestätigt.
Auf Monatsbasis verlangsamte sich die Inflation auf 0,1 % von 1,0 %, ebenfalls im Einklang mit den Erwartungen.

Energiepreise waren der Haupttreiber und stiegen um 10,8 % im Jahresvergleich. Der Anstieg folgt auf die Schließung der Straße von Hormus, nachdem die USA und Israel Ende Februar einen Militärangriff auf den Iran starteten. Angriffe auf Erdgasanlagen am Golf erhöhten den Druck auf die europäischen Energiekosten zusätzlich.
Als Reaktion darauf erhöhte die Europäische Zentralbank letzte Woche die Zinssätze. Es war die erste Erhöhung seit fast drei Jahren. Die EZB warnte auch davor, dass die Inflationsrisiken erhöht bleiben.
Neue EZB-Projektionen gehen nun von einer durchschnittlichen Inflation von 3,0 % für 2026, 2,3 % im Jahr 2027 und 2,0 % im Jahr 2028 aus. Diese Zahlen liegen über den früheren Schätzungen von 2,6 %, 2,0 % und 2,1 %.
EZB-Präsidentin Christine Lagarde sagte, die Inflation werde voraussichtlich bis Herbst 2027 zum 2%-Ziel zurückkehren. Sie warnte, dass das Preiswachstum weiter steigen könnte, wenn die Energiekosten länger hoch bleiben.
Lagarde beschrieb das aktuelle Umfeld als eines, in dem „Wachstum fehlt oder bedroht ist".
Die BIP-Wachstumsprognosen für die Eurozone wurden ebenfalls gesenkt. Es wird nun erwartet, dass die Region in diesem Jahr um 0,8 % wächst, gegenüber einer früheren Schätzung von 0,9 %.
Die Kerninflation, die Energie, Lebensmittel, Alkohol und Tabak ausschließt, lag bei 2,6 % im Jahresvergleich. Das lag über den 2,2 % im April und leicht über der Prognose von 2,5 %.
EZB-Chefökonom Philip Lane sagte, die Bank werde auch nach dem US-Iran-Friedensabkommen, das die Ölpreise etwas gesenkt hat, „proaktiv" bleiben.
Lane stellte fest, dass die Ölpreise immer noch über dem Vorkriegsniveau liegen. Die Finanzmärkte rechnen in diesem Jahr mit mindestens einer weiteren Zinserhöhung, höchstwahrscheinlich im September oder Oktober. Der Einlagensatz der EZB liegt derzeit bei 2,25 %.
Ein Rahmen-Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran soll am Freitag unterzeichnet werden. Das Abkommen würde die Straße von Hormus wieder öffnen und eine amerikanische Blockade der iranischen Häfen aufheben.
Lane sagte, die Wirtschaft der Eurozone zeige weiterhin Widerstandsfähigkeit, und verwies auf eine Erholung im Baugewerbe, steigende Reallöhne und erhöhte Fiskalausgaben in Deutschland als positive Faktoren.
Politische Entscheidungen werden künftig davon abhängen, wo sich die Ölpreise einpendeln und wie sich die geopolitische Unsicherheit entwickelt.
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