Quantencomputer sind seit Jahren Thema in Forschung und Tech-Medien. Was sich ändert, ist die Tonlage. Ein 110 Seiten umfassender Bericht von Project Eleven sorgt nun für neue Diskussionen über die zeitliche Dimension des Problems.
Die Autoren argumentieren, dass das Fenster für eine geordnete Migration auf quantensichere Kryptographie deutlich kleiner sein könnte als bislang angenommen.
Im Fokus steht die heute dominierende Absicherung durch elliptische Kurvensignaturen. Laut Report sind über 3 Billionen US-Dollar an digitalen Assets durch genau diese kryptographische Primitive geschützt.
Das Problem: Ausreichend leistungsfähige Quantencomputer könnten per Shor Algorithmus aus einem öffentlichen Schlüssel den privaten Schlüssel ableiten. Damit ließen sich Signaturen fälschen und Wallets übernehmen.
Project Eleven spricht von einem möglichen Q‑Day, also dem Zeitpunkt, an dem die heute übliche Public Key Kryptographie ihre Schutzwirkung verliert. Die Einschätzung fällt klar aus:
Vor allem Bitcoin (BTC) steht im Fokus, weil sein Netzwerk besonders groß und sichtbar ist. Zusätzlich verweist Project Eleven auf eine eigene „Bitcoin Risq List“, die quantenanfällige Adressen auf Adressebene kategorisiert und laufend aktualisiert.
Demnach befanden sich im Februar 2026 rund 6,9 Millionen BTC in potenziell angreifbaren Adressen. Das entspricht etwa 33 Prozent des zirkulierenden Angebots.
Laut Project Eleven gelten rund 33 Prozent der zirkulierenden Bitcoin als quantenanfällig. Quelle: Project Eleven
Doch laut Report geht es um mehr als BTC oder andere Blockchains. Dieselben kryptographischen Verfahren sichern auch Banking-Systeme, Cloud-Infrastruktur, Authentifizierungsdienste, militärische Kommunikation und digitale Identitäten. Wird diese Klasse von Public-Key-Verfahren angreifbar, betrifft das zentrale Bausteine der globalen IT-Sicherheit.
Gleichzeitig dauert die Migration großer Systeme häufig fünf bis mehr als zehn Jahre. Bei Bitcoin kommen langsame Upgrade-Prozesse und der Bedarf an breiter Abstimmung im Netzwerk hinzu. Die eigentliche Hürde liegt damit weniger im Code als in der Koordination.
Für Bitcoin wird die Lage zusätzlich durch den Upgrade-Prozess verschärft. Historisch verlaufen Protokolländerungen langsam und teils konfliktreich. Der Bericht erinnert daran, dass selbst SegWit von 2015 bis 2017 über zwei Jahre von der Einführung bis zur Aktivierung brauchte und in einem Chain Split endete.
Project Eleven bringt es auf eine knappe Formel:
Eine Umstellung auf Post-Quantum-Kryptographie erfordert abgestimmtes Handeln von Nutzern, Börsen, Custodians, Wallet-Anbietern und Minern. Parallel arbeitet das Unternehmen nach eigenen Angaben mit der Solana Foundation an Strategien zur Abwehr möglicher Quantenangriffe.
Der Report koppelt die Bedrohung durch Quantencomputer an eine konkrete Zeitschiene. Liegt der Q‑Day tatsächlich zwischen 2030 und 2033 und dauern Migrationen fünf bis zehn Jahre, könnte der sichere Startpunkt für eine Umstellung bereits sehr nah sein oder sogar hinter uns liegen.
Für Bitcoin bedeutet das mehr als ein Code-Update. Eine Migration auf Post-Quantum-Kryptographie erfordert breite Koordination im gesamten Ökosystem. Erfolgt sie zu spät oder zu langsam, entsteht ein strukturelles Risiko, das sich nicht durch Marktgröße oder Netzwerksicherheit ausgleichen lässt.
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